Pressemitteilung

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Badische Zeitung vom Dienstag, 01. April 2008

Autorin des Artikels ist Frau Marion Pfordt, der wir herzlich für die Nachdruckgenehmigung danken.

Schwarz, aber nicht düster noch langweilig

Carola Faller-Barris und Marion Menzel beim Kunstforum Hochschwarzwald in Neustadt

Ganz schön rau, Anfassen erlaubt
FOTO: MARION PFORDT

TITISEE-NEUSTADT.
"Als wir erfahren hatten, dass wir in Neustadt gemeinsam ausstellen sollten, und erstmals miteinander telefoniert haben, ist es regelrecht aus uns herausgebrochen. Wir waren erleichtert, auf jemanden zu treffen, der auch auf Farbe verzichtet". So erzählt die Freiburger Künstlerin Carola Faller-Barris in ihrer Einführung zur Eröffnung der ersten Ausstellung des Kunstforums Hochschwarzwald 2008. "Schwarz" lautet der treffende Name der Doppelausstellung, bei der Faller-Barris grau-schwarz-weiße Zeichnungen mit den bizarr-fragilen Objekten der Kölner Künstlerin Marion Menzel eine stimmige Zeit-Symbiose eingehen. Obwohl sich die Künstlerinnen zuvor nicht kannten, passen die Arbeiten zueinander, als wären sie für eine gemeinsame Ausstellung geschaffen worden. Eine Ausstellung ganz in schwarz und doch weder düster noch langweilig.

Faller-Barris kann Vorbehalte gegen die Farbe Schwarz nicht teilen, für sie ist der Verzicht auf andere Farben eine gewollte und logische Reduktion in ihrer Kunst, ein Besinnen auf das Wesentliche: "Ich liebe Schwarz, mehr brauche ich nicht" . Inspiriert durch einen christlichen Orden, dessen Nonnen die am Tage geflochtenen Körbe Abends wieder auflösten, finden sich in den Zeichnungen auf Papier immer wieder verschlungene äste und Dornenäste. Das Schaffen um seiner selbst willen fügt sich genauso in den Versuch der Reduktion hinein wie das gewählte Schwarz. "All diese Zeichnungen sind Selbstbildnisse, die meine jeweiligen Gefühle ausdrücken." Mal ist der schwer verschlungene Knoten tief dunkel zur Kugel verdichtet, mal ein nach oben offener Zylinder, mal mit, mal ohne Dornen.

Dieses zweidimensionale Spiel mit Zerbrechlichkeit und Stärke findet sich wieder bei den dazu installierten Teeobjekten Menzels. Schwarze, langblättrige Teeblätter, mit Harz auf Drahtgeflecht befestigt, bilden die "Metamorphosen" , die in der Mitte der Räume thronen als eindrucksvoller Blickfang. Ein seltener Pilz, der Gitterling, der ihr auf einem ihrer Waldspaziergänge die Anregung gab, diente als Vorbild, seine Verwandlungsstadien sind in den fünf Objekten dargestellt. Die raue Oberfläche der Gitterstrukturen wird durch das Mitverarbeiten von Ross- und Ponyhaar betont, der Gegensatz von rau und weich unterstützt den Gegensatz der Durchsichtigkeit eines Gitters und dessen leichter und doch offensichtlicher Stabilität. Die schwarze Struktur lässt das Weiß des Hintergrunds, der Wände, der Podeste noch heller scheinen. Doch warum gerade Tee? "Ich habe Kaffee und auch Sand versucht zu verarbeiten, doch diese Struktur ist zu langweilig" , meint Menzel. Die Oberfläche betont die Aussage ihrer Arbeiten, das Harz macht diese beständig.

Also auch ein Zusammenspiel von vergänglich und dauerhaft, ein Anhalten der natürlichen Zerfallsprozesse, ein Stillstehen der Zeit.


--- Ende der Pressemitteilung ---



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