Pressemitteilung

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Badische Zeitung vom Dienstag, 31. Juli 2007

Autorin des Artikels ist Marion Pfordt, der wir herzlich für die Nachdruckgenehmigung danken.

Fragwürdig? Keine Frage!

Eva Rosenstiels "Magazin" beim Kunstforum in Neustadt - und das Anschauen lohnt sich doppelt

TITISEE-NEUSTADT.
"Es gibt so etwas wie die Fragwürdigkeit des Bildes", beginnt Dirk Teubner die Ausstellungseröffnung "Magazin" von Eva Rosenstiel. Eine Woche nach der Ausstellungseröffnung "Waldstreifen" im Skimuseum Hinterzarten zeigt die aus Hüfingen stammende und in Freiburg lebende und arbeitende Künstlerin weitere eindrucksvolle Werke ihres künstlerischen Schaffens.


Nahe heran gehen muss man, um die Schattenfuge zu betrachten.
FOTO: MARION PFORDT

Entsteht die Fragwürdigkeit des Bildes nun durch die Bearbeitung Rosenstiels, sodass am Ende des kreativen Arbeitsprozesses von der ursprünglichen Vorlage nur noch das Thema übrig bleibt? Oder ist es vielmehr die Fragwürdigkeit der ursprünglichen Bilder und Fotos, die sie mit ihrer außergewöhnlichen Art des Bearbeitens nur betont?

Die Vorlagen sind Fotos, welche die Künstlerin entweder selbst aufgenommen oder auch Magazinen und Illustrierten entnommen hat. Manchmal sind sie ernst und traurig, manchmal objektiv unwichtig und fröhlich und manchmal einfach belanglos. Es sind Blicke auf ein leeres Hotelzimmer, auf zwei junge Frauen in einem Bett, Frachtcontainer, einen Modeschmuckladen oder das überangebot von Süßigkeiten oder eine Frau inmitten eines Müllbergs. Doch nach der Bearbeitung mit Scanner und Drucker, Farben und Wasser, Pinsel und Wattestäbchen, nach dem außergewöhnlichen Weg, den Rosenstiel auf der Vorlage geht, entsteht daraus ein eindrucksvolles Werk, das den Betrachter zum Bleiben zwingt.

Nach und nach dringt das betrachtende Auge durch die vielen Schichten des Prozesses, den die Künstlerin durchlaufen hat. Zuerst mag das Muster der Wasserbearbeitung ins Auge fallen, danach vielleicht die Farben und die bildbeherrschenden Formen, die sich unendlich auf den teils beachtlich großen Werken wiederholen. In akribischer Fleißarbeit sind Punkt für Punkt und Fleckchen für Fleckchen die Farbschichten des Druckes freigelegt, um überraschendes zu enthüllen und sich mit dem Untergrund symbiontisch zu einem überwältigenden Gesamtkunstwerk zu vereinen. Einen Schritt zurück muss man gehen, um die nächste Schicht darunter zu erkennen, die Farben und Schatten, die darunter verborgen sind. Nach weiteren Schritten in den Raum hinein und nochmaligem Hinsehen entdeckt der Betrachter endlich die ursprüngliche Vorlage. Die Frau, die ganz am Rand zu dösen scheint, sei es in einem Zugabteil oder vor einer Wand, ah, auch dort ist noch etwas, fast unerkannt. Auch nach Minuten vor Rosenstiels Werken enthüllen sich verborgene Details.

Die Flüchtigkeit und Allgegenwart der uns umgebenden Bilder "die in sintflutartigem Hagel auf unser Auge und Denken treffen", wie Teubner es beschreibt, wird angehalten und umgekehrt.

Das Verweilen und ruhige Betrachten sind unabdingbare Voraussetzungen, um die Bilder zu sehen und zu erspüren. Manchmal ist ein Detail mit ölfarbe betont, ein Kissen nur oder dessen Umrandung. Dick und plastisch auf der völlig ebenen Fläche des tintenstrahlbedruckten Aluminiums. Darüber streichen möchte man, um sicher zu sein, dass was man sieht, auch ist. Ein zuvor aussagearmes Foto gewinnt durch den Arbeitsprozess an Tiefe, Ästhetik und Aussage. Die moderne digitalen Bildbearbeitung verquickt sich in den Bildern konsequent wie unkonventionell mit der manuellen Beschäftigung mit der Bildoberfläche.

"Obwohl die Arbeit auf den ersten Blick eher digital bearbeiteten Charakter hat, interessiert mich ausschließlich die manuelle Beschäftigung mit der Bildoberfläche" , sagt die Künstlerin selbst.

Die Bildträger bestehen nicht etwa aus Leinen oder Holz, sondern aus Aluminium oder Glas. Dünn und scharfkantig abgegrenzt, sind sie mittels einer Leiste mit einem gewissen Abstand zur Wand angebracht, sodass die natürlich entstehende und bildrelevante Schattenfuge die eigenwillige Kunst Rosenstiels betont.

Die Fragwürdigkeit des Bildes wird durch Rosenstiels künstlerischem Weg zur Frag-Würdigkeit. Und Teubner stellt sich die Frage: "Wie geht der Weg weiter, welche Bilder werden folgen?" Diese Frage beschäftigt auch die Besucher nach der Ausstellungseröffnung.

Die Ausstellung "Magazin" läuft parallel zur Ausstellung "Waldstreifen" im Skimuseum Hinterzarten. Und man sollte unbedingt beide anschauen. Denn die Themen mögen unterschiedlich sein, doch der malerische Prozess, in dem sich Eva Rosenstiel befindet, wird mit der Kombination der kleinen und der großen Arbeiten deutlicher.

"Magazin": Kunstforum Hochschwarzwald, Salzstraße 16 in Neustadt, bis 19. August. Öffnungszeiten sind Freitag, Samstag und Sonntag von 16 bis 18 Uhr.

--- Ende der Pressemitteilung ---



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