Pressemitteilung

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Badische Zeitung vom Dienstag, 15. Mai 2007

Autorin des Artikels ist Martina Seiler, der wir herzlich für die Nachdruckgenehmigung danken.

Kälte und Erstarrung machen frösteln

Der Maler Volker Ellwanger hat seine unerwarteten Begegnungen mit dem Ersten Weltkrieg in Kunstwerke verarbeitet

TITISEE-NEUSTADT.
Der erste Eindruck täuscht, er verwandelt sich, je länger der Betrachter die Bilder Volker Ellwangers auf sich wirken lässt. "Argonnenwinter", lautet der Titel der Ausstellung beim Kunstforum in Neustadt, die am Freitag zahlreiche Besucher zur Eröffnung lockte - der Künstler hat einen Ruf auch in der Region, der für sich spricht.


Je länger man schaut, desto mehr sieht man die Bilder mit anderen Augen.
FOTO: MARTINA SEILER

Unterschiedliche Formate können nicht darüber hinwegtäuschen über die Uniformität der Bilder, denn fast stereotyp erscheinen die klassische Aufteilung der Bildflächen, die gleichen Farben: Das klare, eher schon kalte Blau über schneebedeckten Flächen, Schluchten und Verwerfungen, die harten Brauntöne der Bäume mit kahlen, ja fast möchte man sagen nackten ästen, verirrte Zaunpfähle, Brücken, die Niemandsland verbinden - (wofür, fragt sich der Besucher), dazu gelegentlich trostlose Häuserfronten - Bilder, die erschauern machen; da ist nichts Lebendiges, Natürliches, keine Idylle, wie sie so oft von Landschaftsbildern ausgeht. Es ist so verwirrend, der Eindruck, klar gegliederte Werke mit eindeutigen Farben von Landschaften vor sich zu haben und dabei immer stärker das Gefühl aufsteigen zu spüren, es ist nicht nur Winter im Jahreszyklus, es ist vielmehr Winter im Lebenslauf - oder gar Todeslauf?


Maler Volker Ellwanger
FOTO: MARTINA SEILER

Gert Reising aus Karlsruhe lud die Besucher ein, sich von der sich oberflächlich scheinenden Banalität mitnehmen zu lassen zu den Merkwürdigkeiten, den "störrischen, delikaten" Impulsen, um so eine Aneignung von Natur für die Gegenwart zu erfahren. Und tatsächlich, die Bilder sind eben doch nicht uniform, sie sind vielmehr die Mosaikstücke eines einziges riesigen Kriegsschauplatzes, eines Ortes, der getränkt ist mit Schmerz, Blut und Rache, mit Lebensgeschichten, die jäh in die Vernichtung führten.

Ganz ahnungslos erfuhr dies der Künstler an sich selbst bei einem Aufenthalt im Argonnenwald in Nordfrankreich. Da kehrten die Erzählungen seiner Eltern und besonders der Großeltern zurück, halfen ihm zu erklären, warum die Landschaft so einen befremdlichen Eindruck erweckt. Bald ein Jahrhundert zurück liegt die Zeit, und doch bedarf sie der Verwandlung. Ellwanger hat sich dieser Arbeit gestellt, einen ihm angemessenen Ausdruck zu finden für die Emotionen, der die zerstörenden Kräfte in den vernarbten Wunden nicht dem Vergessen anheim fallen lässt.

Und die Natur bedeckt dies alles, wärmend wie unter einer Decke, die Lebenskräfte haben sich zurückgezogen wie im Winter üblich. Nur: Dieser Winter dauert länger als üblich - selbst jetzt noch scheint diese Erde zu schreien; oder ist sie schon so erstarrt, dass man hört, wie der Schrei erstickt? Es braucht gewiss noch mehr Winter..., auf dass gleichsam mit Kleinstlebewesen, mit ein wenig Vertrauen, ein wenig Mut, ein wenig Zuversicht zaghaftes Leben wieder erstarken kann. Vielleicht - wer weiß?

Die Ausstellung "Kälte und Erstarrung machen frösteln" von Volker Ellwanger ist bis zum 03. Juni 2007 in der Salzstrasse 16 in Neustadt zu sehen. Öffnungszeiten sind Freitag, Samstag und Sonntag von 16 bis 18 Uhr.

--- Ende der Pressemitteilung ---



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