Pressemitteilung

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Badische Zeitung vom Dienstag, 27. Juni 2006

Autorin des Artikels ist Martina Seiler, der wir herzlich f?r die Nachdruckgenehmigung danken.

Mitweben am Teppich des Lebens

?ffentliche und eigene Geschichte verschmelzen / Petra G?hringer-Machleid stellt beim Kunstforum Hochschwarzwald aus
Genaues Hinschauen erstaunt. Genaues Hinschauen erstaunt.
FOTO: MARTINA SEILER

TITISEE-NEUSTADT.
Was an Tiefgr?ndigem in all den dicken Schichten ?bereinander geklebter Plakate einer Litfa?s?ule und deren Bearbeitung steckt, entfaltete Pfarrer Wolfgang Schmidt, Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung in Freiburg, vor den zahlreich erschienenen Kunstfreunden des Hochschwarzwalds - der Konkurrenz der WM-Fu?ballspiele zum Trotz - im Kunstforum Neustadt zur Er?ffnung der Ausstellung "Litfa?" von Petra G?hringer-Machleid.


Die spannende Verwandlung einer Litfa?s?ule in ein Kunstwerk malte Schmidt mit bunten Worten nach: Aus der abgenommenen Ummantelung, die ?ber eine Vielzahl von Jahren der H?lle Stabilit?t Gewicht verliehen hat, entsteht mit der Kettens?ge "zugeschnittene ?ffentliche Geschichte" , die - ver?ndert durch Bearbeitung mit Wachs, Seident?chern und Fax-Abdrucken - mit pers?nlicher Geschichte verschmilzt. Die F?lle von Plakaten bildet ein geschichtetes Werk ab, gleich dem Abdruck eines versteinerten Fossils.
Und hier setzt die Kreativit?t massiv ein. Die Geschichtsgestalten in andere Kontexte zu setzen und damit die Geschichte fortzuschreiben, hiermit erweist sich die K?nstlerin als ein Mensch, der "am Teppich des Lebens webt".

G?hringer-Machleid hat es als ihre Aufgabe gefunden zu experimentieren. Etwa, wie aufgetragenes Wachs das Papier transparent macht und einen Blick in die Tiefe erm?glicht; etwas entdecken zu k?nnen, was rein ?u?erlich bis dahin verborgen, aber doch existent ist und aufzubrechen vermag. Sichtbar an ihren Werken, die auf Vorder- und R?ckseite eben die jeweils andere Seite der Medaille, der Wirklichkeit zeigen. Besonders liebt die geb?rtige Wiesent?lerin die Farbe rot, sie stellt f?r sie die Farbe des Lebens dar - Rott?ne ?berwiegen in ihren Bearbeitungen. Allt?gliches, wie eingehende Faxe, hat sie mittels Karbonabdr?cken auf Wachstafeln als Ausschnitte ihres Lebens dem Tr?germaterial hinzugef?gt.

Geschichte ist nicht hermetisch geschlossen, stets kann sie nur umschrieben, umkreist werden; sie l?sst Raum f?r schillernde Sprache und Farbe, Zwischenraum, Durch- und Einblick ?ffnen Spielr?ume der Interpretation.

Damals, 1854, wurde die Idee der Litfa?s?ule genehmigt, um der politischen Radikalisierung Herr zu werden, deren Ver?ffentlichungen zu ?berwachen, zu kontrollieren, die wilden Plakatierung an H?userfronten einzud?mmen; ein Ordnungselement also, das in den ?ffentlichen Raum disziplinarische Ordnung brachte.

Durch-Blick durch Geschichte. Durch-Blick durch Geschichte.
FOTO: MARTINA SEILER

Petra G?hringer-Machleid Petra G?hringer-Machleid
FOTO: MARTINA SEILER

Die Kreativit?t G?hringer-Machleids bringt dies nun in Unordnung und erreicht damit eine h?here Form der Ordnung. Die kollektive Geschichte wird vollendet, indem eine neue Gestaltung dem gewordenen ein eigenes, einzigartige Gepr?gte gibt. "Das ber?hrt mich" , sagte Pfarrer Schmidt, "denn ich hoffe, dass ebenso am Ende der Zeit Gott, der Kreator, im sch?pferischen Akt das Begonnene vollendet." Die Litfa?s?ule als ein Ort der Kommunikation auch in transformiertem Zustand m?ge ein Ort der lebendigen Kommunikation bleiben.

Ge?ffnet ist die Ausstellung "Litfa?" in den R?umlichkeiten des Kunstforums, Salzstra?e 16, in Neustadt bis 16. Juli. Zug?nglich ist sie jeweils von Freitag bis Sonntag von 16 bis 18 Uhr.

--- Ende der Pressemitteilung ---



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